Anfängertutorial zum Thema Blitzen

Anfängertutorial zum Thema Blitzen
4.5 (90%) | 4 votes

Wie bereits vor längerer Zeit angekündigt, gibt es nun endlich ein Anfängertutorial zum Thema Blitzen in der Fotografie. Ich werde euch im Folgenden detailliert erklären, warum es bei einigen Aufnahmen sinnvoll ist zur künstlichen Lichtquelle zur greifen und welche Arten und Methodiken der Ausleuchtung es gibt.

1.) Warum und wann Blitzen?

Die Techniken, die ich in diesem Tutorial erläutere, beziehen sich allesamt auf das Blitzen „indoor“, also es geht um Aufnahmen, die unter Studiobedingungen aufgenommen werden sollen. Das können einerseits natürlich Portraits sein, bei denen vor allem weiches Licht gut wirkt (Erklärung bei „Arten der Ausleuchtung“, siehe unten). Dadurch lässt sich schon im Vorfeld mit der passenden Lichtwahl beispielsweise eine eher unreine Haut kaschieren oder beim Einsatz von hartem Licht beispielsweise Muskeln betonen. Die Wahl der richtigen Lichtquelle bei Portrait-/Personenaufnahmen hilft also schon im Vorfeld viel Zeit bei der nachträglichen Retusche zu sparen.

Ein anderer Bereich, in dem das künstliche Ausleuchten durchaus Sinn macht, sind Objektaufnahmen (wie der Großteil meiner Fotos). Denn durch das Blitzen hat man nicht nur die vollständige Kontrolle darüber, welche Bereiche im fertigen Bild hervorgehoben wirken sollen, sondern auch Effektfotos, wie z.B das Einfrieren einer Bewegung können nur mithilfe eines Blitzes entstehen.

 

2.) Arten der Ausleuchtung

hartes Licht

Grundsätzlich unterscheidet man beim Blitzen zwischen „hartem“ und „weichem“ Licht. Hartes Licht wirkt sehr punktuell, das heißt der entstehende Lichtkegel ist sehr klein und direkt. Dieses Licht wird vor allem benutzt, um Schatten zu erzeugen. In der Regel wirkt hartes Licht auch viel stärker und dominanter im Bild. In spiegelnden oder glatten Motiven würde daher sofort auffallen, dass das Licht künstlich erzeugt wurde. Jedoch wirkt hartes Licht vor allem bei Detailaufnahmen sehr gut, da es Schatten wirft und somit das Foto besonders plastisch wirken lässt. Man hebt so gewisse Bereiche des Bildes deutlich hervor.

Hartes Licht zu erzeugen ist einfach, da man auch von „direktem“ Licht spricht. Das heißt der Lichtkegel kommt direkt, ohne Umwege aus der Lichtquelle. Es ist also nur der Blitz notwendig, der frontal bzw. leicht schräg auf das Objekt gerichtet wird. Beachtet werden sollte hierbei, dass direktes Licht extrem stark ist. Es sollte daher eine kurze Abbrennzeit gewählt werden (Erklärung bei „Bedienung“).

 

Rosedirekt

 

(deutliche Schatten erkennbar, plastische Wirkung)

 

 

weiches Licht: 

Das weiche Licht kommt vor allem in der Portraitfotografie zum Einsatz. Aber auch bei Objekten, die sehr gleichmäßig ausgeleuchtet sein sollen, muss das Licht möglichst weich sein. Um weiches Licht zu erzeugen, ist das sogenannte „indirekte“ Blitzen notwendig. Das bedeutet, dass der Lichtkegel nicht direkt aus dem Blitz auf das Objekt trifft, sondern über „Umwege“ vergrößert wird. Damit meine ich, dass die Lichtquelle also möglichst groß sein muss. Es gilt: Je größer die Leuchtfläche, desto weicher das Licht. Um dies zu erreichen richtet man den Blitz gegen eine Oberfläche aus besonders hellem Material. (hell=stark reflektierend, dunkel=zu viel Licht wird geschluckt). Beispiele hierfür wären eine große, weiße Styroporplatte oder einfach eine weiße Wand. Man richtet den Blitz gegen diese Fläche und nutzt diese quasi als neue Lichtquelle. Auch die sehr populären „Softboxen“ nutzen dieses Prinzip. Durch halbdurchlässige weiße Tücher in der Box wird der Lichtkegel des Blitzes großflächig verteilt.

Natürlich verstärken diese großen, weißen Oberflächen nicht die Lichtleistung, die aus dem Blitz trifft. Der Lichtkegel wird einfach nur vergrößert. Somit ist klar, dass wesentlich mehr Leistung  benötigt wird, als bei direktem Blitzen.

Besteckindirekt

(wenige, dezente Schatten, gleichmäßige Bildwirkung)

 

 

3.) Bedienung und Technik eines Blitzgerätes

Grundsätzlich unterscheidet man, wie auch beim Fotografieren zwischen manuellem- und Automatikmodus. Hat ein Blitzgerät die sogenannte TTL oder ETTL Funktion, verfügt das Gerät über Sensoren, die die Belichtung messen und automatisch die richtigen Einstellungen wählen. Dies funktioniert aber nur bei direktem Blitzen, da der Blitz ja nicht weiß, ob indirekt geblitzt wird, und wie stark die Softbox/die weiße Fläche reflektiert. Mit dieser Technik ist man also sehr eingeschränkt und eignet sich daher nur für Schnappschüsse.

Jedes Blitzgerät verfügt selbstverständlich über einen An-/Aus-Schalter, den ich natürlich nicht weiter erkläre. Die wirklich wichtigen Dinge sind die Brennweite (wie beim Objektiv), auch Zoom genannt und die Abbrenndauer.

Brennweite/Zoom

Der Zoom des Blitzes fährt das Blitzmodul im inneren des Gerätes vor- oder zurück (nicht alle Geräte besitzen einen Zoom). Je größer die Brennweite des Blitzes eingestellt ist, also je größer die mm-Zahl ist, desto weiter vorne ist das Blitzmodul. Dadurch ist das Licht wesentlich fokussierter, da der Lichtkegel kleiner ist. Das Licht ist sehr stark und kleinflächig. Ist eine kleine Brennweite eingestellt, ist das Blitzmodul weit zurück gefahren. Der Lichtkegel wird so vergrößert, was aber natürlich Lichtstärke kostet. Ihr könnt euch diese Einstellung wie beim Objektiv merken: Will man ein bestimmtes Objekt fokussiert fotografieren -> große Brennweite, will man eine große Fläche fotografieren bzw. ausleuchten -> kleine Brennweite.Merkt euch außerdem: Direktes Blitzen = kleiner, fokussierter Lichtkegel notwenig = große Brennweite, Indirektes Blitzen = möglichst großflächiger Lichtkegel = kleine Brennweite.

Abbrenndauer/Leistung

Die zweite Einstellung ist die Abbrenndauer, die wirklich jedes (ja, auch sehr alte) Blitzgerät hat. Die Abbrenndauer stellt die Zeit ein, in der die Xenonlampe im Blitz leuchtet, also die Zeit vom Aufleuchten bis zum vollständigen Erlischen des Blitzes. Meist wird diese Zeit nicht in (Mili-)Sekunden angegeben, sondern einfach über den Bruchteil der Leistung des Blitzes. Eine Einstellung von 1/1 der Leistung ist also die volle Leistung -> längste Abbrenndauer, volle Lichtstärke. Bei einer 1/128 Leistung brennt der Blitz sehr schnell ab, dafür ist die Lichtstärke geringer.Die Leistungseinstellung des Blitzes ändert nichts an dem Bildlook. Sie ist nur dafür da, um eine Kontrolle darüber zu haben, wie hell/dunkel das Motiv dargestellt werden soll.

Blitz

 

Sehr wichtig: Blitzt ihr Zuhause, in einer dunklen Umgebung, regelt ihr nicht die Helligkeit im Bild über die Verschlusszeit, sondern über die Leistung des Blitzes. Wählt eine Blende und einen ISO, der ohne Blitz ein fast schwarzes Bild erzeugt. Dann regelt ihr den Blitz solange hoch, bis beim Fotografieren mit Blitz die Helligkeit ideal ist. Denn nur so erreicht ihr eine Ausleuchtung, die nur vom Blitz gesteuert wird und nicht durch Fremdlicht (Fenster o.A.) erzeugt wird. Das Bild wäre in diesem Moment ohne Blitz schwarz, da die Blende zu klein und der ISO zu niedrig für schwaches Licht aus der Umgebung ist. Jedoch in dem Moment, wo der Sensor „offen“ ist, also Licht reinlässt, leuchtet der Blitz auf (extrem starkes Licht) und erzeugt die Bildinformationen, die dann auf den Sensor treffen.

Zusammengefasst: Ihr wollt hartes, direktes Licht, um Schatten zu erzeugen und Dinge hervorzuheben? -> Licht auf das Objekt richten, am besten seitlich, je nach Richtung der Schatten, eine große Brennweite im Blitz wählen, um den Lichtkegel klein zu halten und eine eher kurze Abbrennzeit/geringe Leistung wählen, da das direkte Licht stark ist.

Beim erzeugen von weichem Licht -> Richtet den Blitz gegen eine weiße Oberfläche, je größer, desto weicher das Licht, dabei sollte die Oberfläche als Lichtquelle betrachtet werden und somit in Richtung des Objektes gerichtet sein, wählt eine kleine Brennweite, um den Lichtkegel zu vergrößern und möglichst viel Leistung, da die weiße Fläche das Licht großflächig verteilt.

Ich hoffe, meine kleine Anleitung hat euch gefallen. Falls ihr noch fragen zu diesem Thema habt, ergänze ich den Beitrag natürlich gerne. Über konstruktive Kritik freue ich mich wie immer! 😉

Harmonischer Sonnenuntergang & Neuerungen auf Shoot It
Kaktus im Sonnenuntergang
Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.